Alle Pranayamaübungen benötigen eine exakte Körperhaltung
Die letzten Kurse in der Sonnenoase zeigten ein anschauliches Bild, wie einerseits in der Meditation eine relativ gute und aufgerichtete Körperhaltung bezogen werden kann, andererseits jedoch bei der Ausführung einer Atem- oder prāṇāyāma-Übung die Form des Körpers, wie er in der Position zum Ausdruck kommen soll, nur sehr mangelhaft gewährleistet ist. Der Umgang mit dem Atem in geführter Ausrichtung und wohl abgestimmt mit den verschiedenen Bereichen des Körpers bewirkt eine gute Disziplinierung für den gesamten Umgang mit dem Physischen. Die Entwicklung von verschiedenen Körper- und Atemübungen im Sinne von prāṇāyāma ist eine Disziplin, tapas, die für die weitere Meditationsarbeit sehr günstig wirkt. In den verschiedenen Übungsansätzen der Seelendimension des Yoga lässt sich der freie Atem sehr gut entwickeln. Die doch sehr angenehmen, leicht beschwingten Atembewegungen, die bei den Asana stattfinden, bleiben doch in einer Art Unverbindlichkeit in Bezug zu einer unumgänglichen Disziplin, die das Willensverhalten benötigt. Nach Jahren der Asanapraxis zeigen sich deshalb bei vielen Personen, die sich mit dem freien Atem sehr gut angefreundet haben, gewisse Bequemlichkeiten.
Praktische Aspekte zur Atemübung
Die solide Führung von prāṇāyāma-Übungen in einfachen Formen für 5 bis 10 Minuten einmal am Tag ist für Personen, die aktiv den Yogaweg praktizieren, keinesfalls schädlich, sondern sehr nützlich. Eine starke Formerkraftung entwickelt sich durch die verschiedenen, bewusst gewählten Anhaltephasen mit auferlegter Kontinuität.
Für junge Personen unter dem 22. Lebensjahr sind prāṇāyāma-Übungen auch in diesem geringen Umfang, wie er hier vorgeschlagen wird, nicht empfehlenswert. Günstig ist die sogenannte kapālabhātī-Übung, die im großen Buch der Heilkraft durch Yogaaktivität beschrieben ist. Des Weiteren geeignet ist als mehr rhythmisierende Übung die sogenannte nāḍī-śodhana-prāṇāyāma-Übung, die im Buch „Der Freie Atem“ sorgfältig und detailliert ausgeführt wird.
Ganz besonders sollte man auf die Körperhaltung achten, die bei prāṇāyāma eingenommen wird. Der Lotus ist nicht unbedingt eine zwingende Voraussetzung, jedoch wenn es möglich ist, in diesem zu sitzen oder zumindest in einer lotusähnlichen Haltung die Übung auszuführen, wäre das sehr empfehlenswert. Die folgenden Fotos und Zeichnungen zeigen, wie die Haltung für prāṇāyāma geschult werden kann.


Die Sitzhaltung im Lotus oder einer ähnlichen Position sollte einerseits frei und peripher offen sein und andererseits in der Wirbelsäule im mittleren Part kräftig ansteigend zentriert bis in das Haupt vorstoßen.



Die gesamte Haltung im prāṇāyāma ist sehr ruhig, der Körper wirkt niemals in die Peripherie zerstreut. Die Haut jedoch ist an der Peripherie entspannt, eine Sammlung im unteren und mittleren Rücken bildet eine kompakte und solide Aufrichtung. Die Hand wird im prāṇāyāma zum viṣṇu mudrā geformt und zur Nase geführt. Der Lotus bildet eine ruhige, mit dem Boden verwurzelte Basis.


Das jālandharabandha, der Verschluss mit dem Kinn, entsteht durch das solide Anheben des Brustkorbes. Die Schultern bleiben jedoch gelöst. Der linke Arm zeigt, wie der Körper durch die Wirbelsäule hochstrebt und nicht durch ein Stützen mit dem Arm getragen ist.


Der Halt, der mit dem aufgerichteten Brustkorb erzielt wird, wird während der gesamten Übung auf sanfte und doch kontinuierliche Weise durchgehalten.


Das mūla-bandha, der Verschluss im untersten Chakra, entsteht am einfachsten, indem der Übende die Knie Richtung Kreuzbein anzieht und, auch bedingt durch die Sitzhaltung, sich auf diese Weise im unteren Körper an der Wirbelsäule zentriert.


Die Kräfteströme bei prāṇayama fließen zur Wirbelsäule.
